Bodhgaya … der wohl heiligste Ort des Buddhismus

Wäre Shakyamuni nicht durch Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum zu Buddha geworden, gäbe es den Buddhismus wohl kaum …. aber es war wohl so und so ist dieser Ort einer der Heiligsten im Buddhismus.

Die romantische Vorstellung wird erst einmal gestört, denn unser Hotel ist fast neu , eine Art Tagungstempel, wie überall auf der Welt , also austauschbar , steht in der Pampa mit Blick auf Elektrizitätswerk und großer Bauruine von einer wunderschönen beblumten Terrasse , die aussieht , als würde sie nie benutzt .

Das wir dieses Mal nicht unterschreiben müssen , dem Alkohol fern zu bleiben , kann ich meinen mit Kräuterschnaps gefüllten “ Flachmann“ wieder offen rumliefen lassen . Alkohol gibt es aber nicht zu kaufen , man lebt hier wirklich gesund und es sind wohl auch die letzten Fleisch – oder Fischtage . Wieder zuhause , werde ich fantastische Blutwerte haben .

Unsere Tour beginnt mit einer Stupa, die wirklich alt ist , aber in meinem Reiseführer von DuMont noch nicht mals erwähnt ist , denn in dem Ort konzentriert sich alles auf die vielen Tempel der Länder , die dem Buddhismus eng verbunden sind , Myanmar ( war ich noch nicht) China ( war ich noch nicht) Tibet ( war ich noch nicht) Sri Lanka ( es ist zum Weinen , war ich auch nicht nicht ) und endlich kommt Sikkim und Bhutan- war ich schon!!!

Wir schauen uns Tempel und Buddha Statuen an und dann das Wichtigste: der Mahabodhi Tempel aus dem 2. Jh vor Chr. mit der berühmten Stelle des Bodhi-Baums , dort wo Buddha…..

Also gut , da gehts hin , aber zuerst gehen wir durch die Hauptstraße einer Stadt , ländlich angehaucht , mit fröhlichen Menschen . Die Stimmung ist völlig anders , als in Kolkata, aber mindestens so viele Menschen.

Schon beim ersten Tascheneinkauf stellt man fest , hier ist es humorvoller. Ich bin in meinem Element , denn ich bin zum handeln abgestellt. Mein Erfolg macht mir sichtlich Spaß , aber dem Händler auch und so haben alle was davon , nicht zuletzt Irene und weitere Mitreisende. Gut gelaunt schlendern wir weiter . Ich wehre mich , mir den Kopf massieren zu lassen , auch wenn es ein Friseur ist, lass mir Himalaya “ Getrocknetes“ aufschwatzen , dass in Deutschland mit Wasser einen grünen Baum hervorbringen soll – wehe wenn nicht , drohe ich wenigstens schwach – zwinge den Ananas Verkäufer, die Ananas mit meinem Schweizer Messer zu schälen und in ein Gefäß zu füllen , dass ich auch mitgebracht habe , rette Irene und mich noch , bevor der Verkäufer die Ananas mit dem mitgebrachten Wasser abspülen möchte und tue so , also würde ich nicht merken , wie genervt er ist .

Irene und ich verzehren auf jeden Fall genüsslich .

Dabei spricht und jmd an , der als IT ler für Herrmann Becker gearbeitet hat , aber im Auftrag einer indischen Firma … ist die Welt klein , na klar kennen wir Hermann Becker. Verrückt, was? Wir maschieren weiter in Richtung Tempel . Stoßen auf einen Laden , mit einer wirklich alten Frau – bloß nicht fragen , wie alt , man ist erschrocken , wie nahe sie manchmal dem eigenen Alter sind , und kaufe Shampoo in herabhängenden Portionstütchen , damit ich ein Foto machen darf.

Als nächstes treffen wir auf eine Familie , die trauert . Sie lässt sich wieder mit uns fotografieren – findet uns auf Instagram ! Irene erklärt mir, dass , wenn der Mann den Kopf kahlgeschoren hat und hinten noch ein Haarschwänzchen steht , eine nahestehe Person gestorben ist . Es wird ein fröhliches Bild .

Zwei Mitreisende , die schon im Tempel waren , sagen uns , wir dürfen nicht mit Handys in den Tempel , also geben wir die Handys ab unf bewegen uns in Richtung heiliges Zentrum.

Erster Check passiert nichts , zweiter Check pfeift man mich raus – power back zum aufladen des Handys in der Tasche . Ich diskutiere, Frage: wovor hat man Angst ? – Antwort : damit könnte ich eine Bombe bauen – Frage : jetzt? … nichts zu machen ich mache mich auf den Rückzug , winke Irene nochmal zu und trotte davon . Zu blöd , jeder bekommt mit, dass ich nicht aufgepasst habe , denn alle gehen in die andere Richtung . Es gibt nämlich einen Eingangsweg und einen Ausgangsweg..

Ich hätte wissen müssen , dass ich damit nicht durch komme .

Na ok , sehe ich die Stelle halt nicht und sehe auch niemanden mehr von unseren Leuten , laufe zum Bus, keiner da , laufe die ganze Strecke wieder zurück , da ich ja kein Handy habe und siehe da , alle sitzen am Eingang unterm (Bodhi) Baum und vermissen mich schon .

Das tut gut und das brauche ich jetzt , denn alle haben des Tempels Inneres gesehen , nur ich nicht …

Schlechtes Karma , aber dafür bin ich eine Strecke mit einer 13Jährigen gelaufen und wir hatten ein nettes Gespräch unter Fremden .

Eine Nacht im Zug

Was tue ich mir an ?

Ist es wirklich notwendig, jedes Abenteuer selbst erlebt zu haben?

Schon der Bahnhof ist sehenswert. Erst einmal muss man mit dem Gepäck wieder mal eine 4 spurige eng befahrene Straße überqueren und dann kommen wir in einen Bahnhof , wo’s vor Menschen nur so wimmelt . Alte , Kranke , Erschöpfte liegen auf dem Boden , vielleicht auch Sterbende . Dazwischen Familien mit Kindern, ganze Sippen , Tumult , Gewirr und eine Lautstärke, die an die Grenze geht.


Uns steht eine Fahrt im Schlafwagen zu viert bevor . Der Zug ist uralt. Es gibt eine Indian Toilette und eine Western Toilette. Besser ist , man braucht keine.Das Bettzeug ist sauber , nur die Kopfkissen scheinen in mehrfach Gebrauch zu sein . Nur gut das mein Schlafsack den Kopfteil hat . Die Wolldecken mag ich auch nicht benutzen , aber brauche ich auch nicht , denn es ist warm . Wir schaffen es aber alle zu schlafen . Nach 3 1/2 std bin ich zwar wach , aber immerhin .

Wir kommen mit 1 1/2 Stunde Verspätung an – super Ergebnis.

Freuen uns aufs Hotelzimmer und haben dem Bordrestaurant wiederstanden . Heißer Tee … das war’s , aber wir wollen ja noch ein bisschen vorsichtig sein .

Irgendwie war’s dann doch ein tolles Erlebnis , aber wir hatten auch den Vorteil , dass wir vier uns kannten . Zwei von uns mussten mit fremden Menschen schlafen und dass ist dann nicht so lustig.

Nichts desto Trotz: wir haben die heiligste Stadt Bodhgaya erreicht .

Abschied von Kolkata – Tempel und Straßenbilder

Ich sitze in meinen Klamotten im Zug … unsere Betten sind gemacht , das Bettzeug ist wiedererwarten sauber und verpackt , aber ich traue der Sache nicht und nehme lieber meinen wunderschönen blauen Reiseschlafsack mit Kopfteil , was sich später als richtig erweist.

Was für ein Tag ..

Nach dem Auschecken gehts zum Mutter Teresa Haus. Wie beeindruckend ist die Aufopferung dieser Frau für das Elend in Kolkata. Das Haus wird weitergeführt , obwohl wir vor dem Grabmal von Mutter Teresa beten .

Die Wohnstätte, die besichtigt werden kann, ist klein und spartanisch eingerichtet, wirkt aber freundlich und auch die Nonnen sind superfreundlich und versprühen Lebensfreude , nicht zuletzt durch eine quirlige gutgelaunte Waise.

Es ist ein Ort der Ruhe und die Spenden Box findet man erst, wenn man danach fragt.

Befremdlich war, dass die Pilger den Nonnen die Füße berührt haben .A

Wir quälen uns mit unserem Bus zum Jain Tempel . Der Jainismus ist eine Religion in Indien, die 4,2 Millionen Gläubige hat und im 6-/5 Jahrhundert entstanden ist. Hatte ich noch nie gehört…

Natürlich darf man mal wieder nicht telefonieren schon gar nicht innen.

Ein bisschen seltsam fand ich die beiden Figuren und nicht zuletzt hat mich das Kind eher an einen Horrorfilm erinnert.

Der Tempel ist prunkvoll und vor dem Tempel sieht man großes Elend, was aber in den meisten Straßen zu finden ist. Ich frage mich , wie die Menschen bei dieser Klapprigkeit sich überhaupt auf den Beinen halten können. Manchmal wirken die Menschen wie mit Haut überzogene Skelette . Es ist für mich grauenvoll und auch sehr bedrückend. Auch die vielen bettelnden Menschen, die zum Teil körperlich entstellt sind, wirken auf mich manchmal fast bedrohlich, da ich nicht ausweichen kann und auch nicht für alle etwas geben kann. Am Schlimmsten ist es , wenn die Kinder halb tot sind oder betteln . Natürlich ist auch mir klar, dass zum Teil eine Organisation dahinter steckt , aber wie soll man das auseinanderhalten? zu empfehlen : das Buch der Freude , sollte man lesen

Ich kann mich am Straßenbild nicht sattsehen . Am meisten faszinieren mich die Menschen, aber ich bin vorsichtig mit dem fotografieren, obwohl ich immer wieder gefragt werde ,ob man mich fotografieren darf und so werde ich sicherlich am Abend von anderen Familienmitgliedern bewundert , ganz schön befremdlich ..

Wir haben als nächstes Ziel den Marble Palace. Von außen prunkvoll und innen überfüllt mit Gesammeltem . Ein Durcheinander unterschiedlichster Gegenstände, zum Teil völlig skurril zusammengewürfelt. Man weiß nicht , ob man lachen oder weinen soll . Selbst zwei “ echte“ Rubens sind in einer Ecke . Ich bin froh , wieder draußen zu sein . Der angegliederte Zoo für Vögel und Affen ist auch nicht so , wie wir uns artgerechte Tierhaltung vorstellen.

Nach einen indischen Mittagessen gehts zum berühmten Kalighat Tempel.

Das Viertel ist arm , die Bettler nicht mehr überschaubar und es stehen Menschenmassen vor dem Tempel . Ein sogenannter „Guide “ spricht uns an und führt uns . Zeigt und den Tempel , wo grausam die tägliche Ziege als Opfer geschlachtet wird ( zum Glück soll das Fleisch jeden Tag an die Armen verteilt werden ) und einmal im Jahre gibt’s wohl auch einen Ochsen , erklärt die Rituale und wir schieben uns in Richtung Heiligtum mit Blumen in den Händen , die wir darbringen sollen – die Stufen hinauf – Hände an die Stirn – verbeugen und Blumen in Richtung Inneres werfen – weitergehen – im Fluss bleiben – roter Punkt und raus … das geht schnell . Den Menschen, die extra Geschenke und größere Gaben gebracht haben , bleibt auch nicht mehr Zeit … und so erlebt man den Tempel zu Ehren der Göttin Kali , der grausamen Erscheinungsform der Durga …

Eigentlich wollen wir jetzt nur noch was Schönes erleben und das passiert dann auch .

Am Justiz Palast vorbei und anderen staatlichen Gebäuden fahren wir zum James Prinsep Ghat mit Blick auf die 2. Hooghly Bridge.

Wir werden für diesen anstrengenden Tag belohnt. Ich merke , wie sich meine Psyche so langsam wieder erholt .

Bevor es in den Zug geht , werde ich nochmals kurz von einem kleinen Gaunerbettler ( mit schmunzelnder Mutter) gelinkt , der mir Geld , Leere Flaschen und mein KitKat Trüffel ablukst… ich kann nur hoffen , dass er seinen “ Break “ genießt …

Have a break, have a KitKat

Kolkata – von der totenstillen „ City of the Death „ bis zum quirligen „ New Market“

Im ersten Moment gar nicht zu erkennen, denn das Straßenbild mit den Verkaufsständen und den vielen Menschen ist wie überall, nur dass man an einer Mauer vorbei läuft und sieht, dass es dahinter hohe Bäume geben muss. Dann stehen wir vor dem Haupteingang des South Park Street Cemetery. Von 1767-1830 sind hier für die britische Staatsangehörige 1624 Gräber entstanden. Wir müssen uns in ein Buch eintragen und schon schreiten wir über den vermoosten glitschigen alten Steinboden die Hauptallee des Friedhofs entlang. Totenstill und mit Moos und Pflanzen bewachsene Denkmäler für die Verstorbenen. Die Vielfalt überrascht, denn man erinnert sich an Pyramiden, Särge, Kuppelbauten, Kapellen und vieles mehr. Der Friedhof wirkt verfallen, aber nicht ungepflegt. Es sind auch Arbeiter mit Bambusleitern damit beschäftigt, Bäume zu schneiden und den Friedhof in Ordnung zu halten. Es ist still und kaum Bewegung, wenn man von den hin und her hüpfenden Streifenhörnchen mal absieht und die Vögel, die ab und zu in kleinen Gruppen vorbei fliegen, unbeachtet lässt. Ich mag Friedhöfe, denn sie erzählen Geschichten und lassen einen die Hektik außerhalb der Mauern vergessen. Natürlich kommt einem auch der Gedanke, dass man selbst noch nicht zu so einer Geschichte werden möchte. Irene ist bei mir und da sitzen zwei „ältere “ Frauen auf dem Friedhof an einem Grab, dass mir wie ein breiterer Obelisk vorkommt und halten ein Schwätzchen.

Wir verlassen den Friedhof, haben noch ein freundliches Gespräch mit einem alten Mann, der uns bittet, etwas in ein Buch zu schreiben und sind dann wieder in der Hektik der Park Street . Nachdenklich gehen wir die Straße entlang und nach ein paar Metern sehen wir, wie sich Menschen , denen man ihre Armut ansieht, in einer Schlange anstellen , um an einer sozialen Rice Abgabestelle etwas zu essen zu bekommen. Die Frauen, die mit ihren Kindern auf dem harten Stein Boden sitzen, so aussehen, als wär das, was sie bei sich haben , ihr gesamtes Hab und Gut, kann man nicht fotografieren, wie erbärmlich wäre das. Man schaut uns mit großen Augen an und manchmal streckt auch jemand eine Hand.

Offiziell ist das Kasten System abgeschafft, aber ist es auch aus den Köpfen der Bevölkerung? Diese Kinder haben keine Chance.

Unser nächstes Ziel ist das Café Flurys.

Unsere Enttäuschung ist groß, der hochgelobte Kuchen ist längst nicht so gut wie bei uns beim Café Endle , der Cappuccino ist sündhaft teuer und zu unserer Überraschung wird auch noch amerikanische Country Musik gespielt… ja geht’s noch? Nur schnell raus hier…

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Weiter geht’s durch die Straßen Kolkatas Richtung New Market

aber nicht bevor wir nicht im Fairlawn Hotel vorbeigeschaut haben. Irene war bereits vor zwölf Jahren mal dort, als die alte Besitzerin noch lebte, die wohl den Laden voll im Griff gehabt haben muss. Es ist eins von diesen alten viktorianischen kleinen Hotels, wie man sie sich vorstellt. Prominente Menschen haben dieses Haus in der Vergangenheit besucht und die Bilder an den Wänden bestätigen das. Alte Zeitungsartikel sind Zeugen der Berühmtheit dieses Hotels.

Nicht zuletzt hängt auch ein Bild von Günter Grass an der Wand , zu dieser Zeit muss wohl das Buch “ Zunge zeigen“ entstanden sein. Irene und ich, wir wollen das Gefühl des alten „Empires“ spüren und entschließen uns zu einem Orangensaft. Als wir fragen, ob wir uns die oberen Räume anschauen dürfen, lässt es der Direktor sich nicht nehmen, uns persönlich zu führen und uns die Geschichte des Hauses etwas näher zu bringen. Natürlich möchte er auch, dass wir beim nächsten Mal, wenn wir in Kolkata sind, bei ihm übernachten. Mittlerweile wurde das Hotel von der Oberoi Gruppe übernommen. Hoffentlich behält es in der Preis Kategorie seinen Charme.

Übrigens sind wir auf unserem Weg noch am Denkmal von Rabindranath Tagore, einem bengalischen Maler, Dichter, Philosophen , Komponisten und Musiker , wir würden sagen ein Multitalent, vorbeigekommen, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat.

Am New Market ist der Menschenandrang unvorstellbar. Wir hören, dass die Menschen für das bevorstehende Festival einkaufen gehen. Auch wir kaufen ein, sind aber durch die Fülle völlig überfordert und so gibt es für mich nur zwei Yogahosen für insgesamt sechs Euro. Natürlich habe ich auch kräftig gehandelt…

Irgendwie wird uns alles zu viel und wir wollen eigentlich nur noch ans Wasser und uns einen Gat ansehen. Dort gehen die Menschen ins Wasser , um sich zu reinigen. Das ganze stellt sich aber als Odyssey heraus. Wir müssen breite Straßen überqueren, was ja eine richtige Herausforderung ist, entweder du gehst irgendwann mal oder du lässt es für immer. Das Problem ist, dass die Straßen auch durch Gatter gesperrt sind. Man kann nicht an jeder Stelle eine Straße überqueren. Nach der gelungenen Überquerung standen wir in einem weiteren Market, der noch viel enger war als der Vorherige. Endlich sind wir durch dieses Labyrinth gelangen wir auf den Busbahnhof und das Stadtbild und die Menschen verändern sich schon sehr. Auch dort überqueren wir und kommen in einen Park und nun fängt es an, unheimlich zu werden und von Wasser keine Spur. Wir geben auf, fällt mir nicht leicht, wir tun es trotzdem. Außerdem ist es schon spät und wir wollen noch mit der Metro zurück fahren. Also den ganzen Weg wieder zurück. Das Überqueren der Straße wird wieder eine kleine Herausforderung , aber endlich stehen wir am Metro Eingang. Fotografieren verboten… und ich verstehs immer noch nicht. Jetzt müssen wir nur noch die richtige Richtung finden, aber da steht uns schon wieder eine junge Frau zur Seite und los geht’s. In die erste Metro kommen wir nicht mehr rein, da sich schon vor uns die Massen in die Metro gequatscht haben.

Bei der Zweiten sieht es nicht besser aus, aber wir quetschen diesmal auch und bleiben ganz dicht beieinander. Beklauen kann uns keiner, denn wir können und nicht bewegen. Ich schreie laut, dass es in Indien zu viele Menschen gibt, und Ernte ein schmunzeln. Man steht absolut dicht gedrängt und die Frage ist nur, auf welcher Seite müssen wir raus.? Auch das schaffen wir , wir sind wieder draußen und irgendwie befreit. Vielleicht auch froh, dass es jetzt zurück zum Hotel geht. Auf dem Weg nehmen wir noch ein bisschen Obst mit, natürlich nur schälbares wie zum Beispiel eine schöne Papaya.

Für heute geht unser Tag zu Ende. Es gibt später beim Abendessen noch eine heiße Diskussion über die wirtschaftliche Ausbeutung von billigen Arbeitskräften durch die Industrie und wie kann man es erreichen, dass faire Löhne gezahlt werden? Wer hat Schuld – die Industrie? Oder sind wir es nicht selber, die diese Billigprodukte “ made in India“ zu Spottpreisen kaufen? Muss nicht die hiesige Regierung was tun, um die eigenen Leute zu schützen und dafür zu sorgen, dass es Ihnen gut geht?

Lösungen haben wir nicht gefunden, aber zum Nachdenken angeregt, was ich an dieser Stelle an jeden anderen weitergeben möchte.

Zu guter Letzt hat Kerstin , eine Mitreisende noch vor meiner Türe gesagt, dass ich so eine positive Aura hätte… Ach , hat mir das gut getan und vielleicht ist es auch etwas Gutes für mein Karma.

Kolkata – die Stadt der Hoffnung und der Hoffnungslosigkeit

Das Herz Westbengalens… Laut Statistik, und da möchte man gar nicht wissen , wie viele Menschen nicht gezählt wurden, soll es lt Zählung 2011 4,5 Millionen Einwohner in Kolkata gegeben haben . Mit dem Umland sollten es mehr als 14 Millionen sein . Es wimmelt also von Menschen.

Die Stadt war bis 1911 Zentrum des britischen Empires und es zeugen immer wieder viktorianische , zerfallene, heruntergekommene Hausfassaden von dieser alten Pracht.

( nicht nur)

Im Bus auf Rumpelstraßen besteht keine Chance, auch nur ein Bild davon einzufangen.

Dafür gibt es andere Straßenbilder, die die Stadt zeigen.

Die Howrah Brücke über dem Hoogly Fluss , denn “ Kalkutta“ liegt nicht am Ganges, verbindet Howrah mit Kolkata und wird jeden Tag Morgens von mehr als 1 Million Menschen zu Fuß zum erreichen der Stadt benutzt und Abends müssen alle wieder zurück. Das Gedränge ist unvorstellbar.

Wir fahren nach Bally zur Ramakrishna Mission Vivekananda, Lehranstalt für Hinduismus und Universität – unser erster Tempel , natürlich darf man dort innen nicht fotografieren.

In Kolkata laufen die Vorbereitungen zum Durga Puja Fest auf vollen Touren und so sehen wir an der Straße, wie man Holzpodeste aufbaut, um die Menschen sitzend für das Festival und den Umzug unterzubringen und fahren nach Hatkhola, wo die Handwerker leben, die die heiligen Figuren herstellen. Das Festival dauert zehn Tage und wir hören, dass mindestens zwei Tage kein Mensch arbeitet, außer der Polizei, der Feuerwehr und der Reiseleiter. Für die Reiseleiter herrscht Hochkonjunktur und den Verdienst muss man mitnehmen.

Die Figuren werden aus Stroh hergestellt, mit Lehm verputzt und dann bemalt. Übrigens zum Lehm wird immer ein bisschen Lehm aus dem Prostituiertenviertel untergemischt,denn man will diese Gruppe nicht ausschließen, so heißt es.

Auf den Straßen gibt es übrigens immer wieder mal Männer in Frauenkleidung , die als Transfestiten an die Autos klopfen, um Geld zu erbetteln.

Mir gefällt immer der Gott Ganesha – Sohn des Shiva und Symbol der Weisheit

Es sind kleine Handwerksbetriebe, die diese Figuren herstellen. Am Tag des Festes, werden sie auf großen Karren durch die Stadt bezogen und zu Wasser gelassen. Die Menschen kostet es ein Vermögen, aber es sorgt für gutes Karma und gutes Karma ist wichtig, um bei der Wiedergeburt begünstigt zu sein.

Tatsächlich kommen wir sogar an einem Kindergarten vorbei, mitten im Viertel

Auf dem Weg zum Victoria Memorial kann man sich an den Straßeneindrücken nicht satt sehen und transportiert wird alles, neben vielen Menschen in den entweder durch fahrradbetriebenen Rikschas oder den zu Fuß betriebenen, ist nichts zu riskant.

Zwischendurch sind wir auch noch mit der Metro gefahren, auf die sich Kolkata richtig was einbildet. Ich fand sie überhaupt nicht spektakulär und es war verboten, dort zu fotografieren, warum auch immer. Nur am Eingang durfte man ein Bild machen, was aber auch nicht beeindruckend war.

Das Victoria Memorial ist so beeindruckend mit dem Riesenpark und dem Gebäude, dass man dort sicherlich Stunden verbringen könnte. Wir entscheiden uns für 30 Minuten Park und einmal ums Haus. Vorne thront auf einem großen Denkmal Königin Victoria, die nicht unbedingt geliebt war. Das Bild, auf dem auch ich zu sehen bin, sollte keine über Einstimmung zwischen den Frauen bedeuten.😊

Im Park spricht mich eine Familie an und es werden Fotos mit mir gemacht und zwar : Mutter mit mir, Mutter Tochter mit mir, Mutter Vater Tochter mit mir und zweimal Großmutter mit mir, wobei ich die Großmutter beim letzten Bild noch feste umarmen musste. Dafür habe ich dann ein Familienfoto bekommen. Obwohl ich etwas irritiert war, habe ich aber gerne mitgemacht

Wieder auf der Piste geht es an Hochzeit Kutschen vorbei, wobei die Hochzeitspaare sich vor dem Memorial fotografieren lassen und eine Runde mit den äußerst kitschigen Kutschen drehen.

Auf dem Rückweg zum Hotel fahren wir noch durch China Town, was sich völlig abhebt von den China Town Bezirken, die ich sonst kenne. Man erkennt nur an einigen chinesischen Restaurants, dass hier wohl Chinesen leben müssen, ansonsten sieht man kaum Chinesen auf den Straßen, sondern es sind sehr viele Leder Hersteller in dem Viertel und es sind die Inder, die kleine Geschäfte betreiben.

Im Hotel angekommen, muss ich noch eine kleine Runde drehen, vielleicht auch allein sein und mal für mich alleine reflektieren lassen Es wird schon dunkel, obwohl es noch keine 18:00 Uhr ist, Das Leben auf den Straßen gestaltet sich jetzt anders, es sind die Köche die ihre Speisen anbieten, die Geschäfte sind hell erleuchtet und warten auf Kundschaft und nach einer halben Stunde bin ich wieder im Hotel.

Kolkata ist eine Stadt , die mich fasziniert, aber auch so viele Gegensätze zeigt, die einem Angst und Bange machen. Leider konnte ich die Eindrücke gar nicht in Bildern festhalten, und so bewahrheitet sich auch wieder meine These, wenn man solch eine Reise alleine macht, kann man anhalten , wann man will und eine Stadt sollte man sich erlaufen.

Namaste 🙏