Abschied von Nidup und Pema – neues Abenteuer Bhutan, Thimphu – 25.09.2017

Heute Nacht hat es mal wieder geschüttet und es ist richtig heiss. Dafür habe ich mich aber mit meinem Cottage angefreundet , es hat hinten eine tolle Terrasse mit schönem Blick , auf der ich heute morgen noch ein bisschen lesen konnte.

Trotzdem , heute fahre ich gerne weiter .

Wir drei sitzen im Auto und alle wissen , dass heute unsere gemeinsame Reise zu Ende geht. Ich glaube , Pema ist froh , heute nach Hause zu kommen , aber bei Nidup bin ich mir nicht ganz so sicher . Wir haben viel über den Buddhismus und Religionen im allgemeinen gesprochen und unsere Erkenntnisse in Weltliches umgesetzt. Man muss sich wirklich mal die Frage stellen , was ist für mich eigentlich Wichtig im Leben , welche Ziele habe ich ( evtl auch noch ) , wie erreiche ich sie und steht mein derzeitiges Leben damit in Einklang ? Was bedeutet für mich eigentlich Glück? Er hätte sicherlich noch ein paar Tage länger mit mir ausgehalten.

Das reale Leben zeigt mir aber auf der Fahrt , wie hart die Tee Pflückerinnen arbeiten müssen . Es ist war schön anzuschauen , wie Sie zwischen den Teesträuchern stehen oder leicht gebückt sind, aber es ist eine harte Arbeit . An den Plantagen , an denen wir vorbeikommen , wächst übrigens der Assam Tee – nur 3 Ernten im Jahr – nicht 4 , wie in Sikkim.

Bald sind wir schon in der Grenzstadt Jaigoan . Wir müssen auf ein Amt , damit klar ist , dass ich Ausreise . Zuerst aber zu einem Militärposten : Ausweis , Visum, Eintrag in ein dickes Buch und ich muss im Buch auch noch unterschreiben . Es wird keine Miene verzogen . Komisch , wenn jmd eine Uniform anhat , wird er ( meist er) zu einem anderen Menschen oder meine ich das nur?

Anschließend mit allen Unterlagen aufs Amt: Ausweis , Visum , ward ihr schon beim Militärposten ..,

Man glaubt nicht , wie oft ich mich schon in ein Buch habe eintragen müssen und wie oft ich schon kontrolliert worden bin . In der Region dürfte normalerweise nichts passieren .

Dann fahren wir in Richtung Grenzübergang nach Bhutan. Ein großes altes Holztor mit vielen Verzierungen makiert die Grenze . Ein Grenzposten schickt uns zurück : kein Übergang für Touristen , nächsten Übergang benutzen . Das scheint neu zu sein, aber man braucht nicht diskutieren , dann kann man gleich ganz umdrehen .

Der nächste Übergang lässt uns nach Phuntsholing , der zweitgrößten Stadt Bhutans

Wir treffen die neue „Mannschaft „, mein Fahrer , ein Riese für hiesige Verhältnisse mit unaussprechbarem Namen , -gleich wieder vergessen-, (werde ich mir morgen aufschreiben ) und mein Guide , ein junger Mann von 28 Jahren , der mir einen Glücksschal umlegt und sagt : Wellcome to Bhutan, my name is Lobzenj.

( Nidup hatte mir den Namen gestern schon aufgeschrieben , sonst hätte ich ihn auch nicht behalten, geschweige denn richtig geschrieben ) Da stehen sie beide in der traditionellen Kleidung : Kniestrümpfe, so eine Art Bindemantel , sieht aus wie ein Kilt mit Oberteil aus gleichem Stoff und irgendwie noch passender breiterer Stoffgürtel . Ich stehe vor Ihnen und lasse mir meine Überraschung nicht anmerken , stehe da mit Jeans und Bluse , sehr europäisch.

Jetzt heißt es Abschied nehmen . Nach einer kurzen Umarmung steige ich in einen anderen Wagen und los gehts .

Ich sitze gleich vorne , komisch, woher weiß man , dass mir sonst schlecht wird und ich erfahre , dass Nidup genau mitgeteilt hat , was bei mir besonders ist , was ich essen mag , was ich gerne anschaue , dass ich gerne Gespräche mit Menschen führe, Schulen und Kinder anschaue und gerne mit den Kunden rede , gerne laufe und ich weiß nicht was noch …. das ist ja richtig lieb. Ich bin ganz gerührt.

Welch himmelweiter Unterschied, gerade noch im schmutzigen ungeordneter Indien und jetzt im aufgeräumten Bhutan.

Der Unterschied ist zu krass . Es ist sauber , es ist gepflegt , Autos halten an Fußgänger Überwegen – es werden Regeln eingehalten . Die Häuser haben eine eigene wunderschöne traditionelle Architektur , sie erinnern mich ein bisschen an die Schweiz , haben Verzierungen und es gefällt mir gleich gut .

Mein neuer Guide redet und redet in einer Schnelligkeit ( und dann noch englisch ) da verstehe ich mal wieder nur die Hälfte und fasse manchmal nach , aber ich glaube , er ist etwas aufgeregt , ich nicht.

Er erzählt , dass Bhutan Land des Glücks ist . Es soll hier die meisten glücklichen Menschen geben .

Es gehts hoch auf einen Berg ( 2300m) aber nicht mehr wir in Sikkim – gleich rauf und wieder runter – sondern , such zum Teil am Hang entlang und da ist sie wieder , die Schweiz.

Weiterhin gepflegte Häuser , gleicher Baustil, bis der Nebel kommt , man kann keine 10 m mehr sehen , die Warnblinker werden abgemacht , ganz gefährlich bei diesen Kurven , aber die Straßen sind auf jeden Fall ganz gut , bis auf manchmal , leider immer überraschend.

So wie der Nebel gekommen ist , ist er auch wieder weg.

Toller Blick , Sonne – Schweiz bleibt – dann geht es wieder runter , durch einen tropischen Wald und nochmal hoch auf 2900 m zum Chopcha Ridge. Traumhaft schön ist es hier , aber auch Sikkim war so schön , nur etwas anders .

Zwischendurch auf der Höhe gehen wir zum Essen . Ganz typisch einheimisch und keine Touristen , wenigstens erkenne ich keine , sieht eher aus , als wären Arbeiter aus der Nähe hier zum Essen sein – ( ich zahle ca 6€ für Tee, Rindfleisch , Reis , zweierlei Gemüse und Torfu mit Erbsen in Sause) – herrlicher Blick über ein großes Tal .

Nach 6 std Fahrzeit erreichen wir durch wiederum ein ganz besonders schönes Holztor Thimphu, die Hauptstadt Bhutans seit 1955.

Wie fahren in einen schweizer Skiort , ich kann es nicht anders beschreiben, und genau so ist auch die Innenstadt , in der ich wohne .

Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt , an Clock Tower vorbei , die Main Street entlang , schöne Geschäfte , aber viel zu teuer , wie mir Lobenj sagt , kaufen wir alles in Paro , halber Preis . Na, dann vertraue ich ihm mal und was er mir heute schon erzählt hat und mich ausgefragt hat , da muss er ja wissen , was wann gut für mich ist .

Ich kann ein schmunzeln nicht verbergen , besonders als er auch noch sagt , er hat mit mir für die Woche ein gutes Gefühl .

Vielleicht habe ich heute gutes Karma und einen Tempelbesuch habe ich nicht vermisst.

Eine Antwort auf „Abschied von Nidup und Pema – neues Abenteuer Bhutan, Thimphu – 25.09.2017“

  1. Liebe Mirjam, wie schön sich das alles liest….ich kann mir genau vorstellen wie du dich fühlst. Oh, ich habe ein bisschen Heimweh nach Paro, noch heute habe ich ein Bild von Paro als Bildschirmschoner. LG und weiterhin viel Spaß. Manuela

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